Trojaburg
 
 

Herman Wirth: Der Aufgang der Menschheit - Auszug

Entstehung des Werkes

Die Erforschung jener unbekannten, ungesammelten, unveröffent­lichten und doch so herrlichen, symbolischen Volkskunst, der Bauernhausgiebelzeichen Fries­lands und Twentes, bildete den Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung, welche in ihrem Verlaufe so weit über die ursprünglich eng gezogenen Grenzen hinausgreifen sollte. Sie ist die Fortsetzung und Vollendung einer vor sechzehn Jahren veröffentlichten Jugendarbeit. Diese Arbeit war ein Versuch zur Ergründung jener Ursachen, welche den Untergang meiner heimatlichen, nordniederländischen Volksliedkunst herbeigeführt hatten, deren Schönheit uns noch aus den Meisterwerken der Farbe des 17. Jahrhunderts entgegentönt, einer verschollenen Welt wuchtigst-rhythmischer und tiefsinniger Spielmannsweisen, wie sie zuletzt noch in einer einzig erhaltenen Veröffentlichung eines Amsterdamer Verlegers vom Anfange des 18. Jahrhunderts gesammelt wurden und dann auf immer verklingen.

Nicht nur um eine kunstgeschichtliche, eine ästhetische Untersuchung ging es damals, etwa um den landläufigen Begriff des „Volksliedes", sondern um die geistige Erfassung des Wesens der Volksseele, deren tiefste Äußerung jene Liedkunst war. Denn diese Volksliedkunst war einst das lebendige Wurzelwerk, aus dem jene unvergleichliche Wunderblüte der niederländischen mehrstimmigen Tonkunst, die Gotik der Töne, die „absolute Musik" erwuchs, welche das ganze Abendland als Offenbarung der Unendlichkeit des Ewigen erfüllte und deren letzter herrlicher Ausklang Johann Sebastian Bach war.

Aus dunkler Vergangenheit kommend, den südländischen Städtern des römischen Welt­reiches unverständlich, von der jungen römischen Kirche, der Nachfolgerin im Imperium, als „heidnisch" totgeschwiegen und unterdrückt, zieht jener mächtige, rätselhafte Strom ureigenen, angestammten, nordischen Seelenlebens, die mehrstimmige nordische Liedkunst, in den Geschichts­quellen des früher römisch-christlichen Mittelalters fast unterirdisch dahin, um in langem, zähem Ringen mit der mediterranen, orientalischen Kirchentonkunst endlich siegreich hervorzugehen.

Das „Diskantieren", der „faux-bourdon", war die erste, nordische Reformation, der erste gefühlsmäßige große Durchbruch einer geistigen Erbmasse: ihre späteren großen Führer waren englisch-niederländische Meister, von Dunstaple bis Joosken van der Weyden (Josquin d&s Pres), aus dem alten Ingväonengebiet, dem Reich der tuatha-Völker, von dem auch die ersten ger­manischen Christenprediger ausgezogen waren, um ihren Stammesbrüdern die Lehre des Gali-läers als Erfüllung der vergeblich erstrebten Erneuerung der eigenen, uralten Gotteserkenntnis zu verkünden.

Dem jugendlichen Forscher, der mit heißer Liebe für die große Vergangenheit seines kleinen Mutterlandes und Volkes erfüllt war, gelang es wohl die geschichtlichen Ursachen jener Ver­nichtung der niederländischen Volkskultur in allen ihren tragischen Folgen für die Volksseeleund die Volksgemeinschaft aufzudecken. Handelte es sich doch um eine verhängnisvolle, wirt­schaftliche Entwicklung, durch besondere geographische Lage gefördert, eine „Weltwirtschaft", welche heute ins Maß- und Ziellose gesteigert, der ganzen nordischen Rasse und ihren letzten Kultur- und Geisteswerten, ihrer Erbmasse mit Vernichtung und Untergang droht. 

Aber das Wesen jener geistigen Erbmasse selber zu ergründen, blieb dem Verfasser bei dem Stand des damaligen philologisch-geschichtlichen Studiums versagt. So konnte er nur die Problemstellung vornehmen, die einzelnen Fragen formulieren: „Welches ist jenes Gesetz der Kontinuität', das sich in der Geschichte des Volksliedes kund tut? Auf welche geistige Be­dingung geht jene innere Eigenart des Volksliedes, seine unmittelbare Welt-,Anschauung', seine nachweisbar immer wieder eintretende, bewußte Ausmerzung der Zwischenstufen, der Spekula­tion, des Didaktisch-Moralisierenden usw. zurück? Warum bleibt eigentlich nur immer das un­mittelbar Erlebte und Erschaute übrig in einer ganz eigenartigen Beschränkung der Ausdrucks­mittel, welche gerade in ihrer Sprunghaftigkeit, dem nur ,Andeuten' gewisser unausgesprochener Momente, jene Höhe des Ausdrucks erreicht, eine Anwendung des Goetheschen Ausspruches ,Das Beste wird nicht durch Worte deutlich* ?"

„Welches Gesetz verbirgt sich als Weltanschauung hinter der architektonischen Form, der Quadratur des nordischen Melos?"   Und so weiter und so weiter.

So gegenständlich beschränkt und untergeordnet diese Fragen erscheinen, sie rühren doch unmittelbar an das große Problem der Erschließung der geistigen Erbmasse eines Volkes aus seiner Rassenzugehörigkeit. Ein Versuch dazu war ausgeschlossen in einer Zeit, wo die Ur-geschichtswissenschaft noch kein akademisches Lehrfach war und die Geistesgeschichte der nordischen Rasse sich kaum auf die letzten zweitausend Jahre erstreckte, wie einige aus einem großen Geschichtswerk herausgerissene Blätter.

Zunächst führte der Weg über die Musikgeschichte weiter auf das Einzelgebiet der Geschichte der Musikinstrumente, deren volkskundliche Erforschung dem Verfasser neue Aufschlüsse zu verheißen schien.   Sie brachte ihn zum ersten Male in Berührung mit der Kultsymbolik.

Indessen brach der Weltkrieg aus. Als überzeugter Anhänger des großniederländischen Gedankens schloß er sich dem deutschen Lande und Volke, das von allen verraten schien, an. Der Befreiung Flanderns, seiner Wiedervereinigung mit Niederland durch Hilfe Deutschlands galt nun der ganze Krafteinsatz der nächsten Jahre. Dann kam der doppelte Zusammenbruch, das Leid um das geknechtete, innerlich wie äußerlich zerrissene, deutsche Volk, um die süd-niederländischeri Brüder, die für die Freiheit noch nicht reif gewesen: alsbald aber das sich Aufraffen und der Versuch zur Schaffung einer nordniederländischen Jugendbewegung im Sinne der deutschen Wandervogelbewegung, jedoch mit weiter gesteckten und klarer erkannten, sozialgeistigen Zielen, zur Stärkung der Volkskraft und des Wiedereinwurzelns im Volkstume, in der Volksgemeinschaft.

Die Arbeit für die so hoffnungsvoll sich entwickelnde junge Bewegung führte den Verfasser wieder der heimatlichen Volkskunde zu und zwar auf jenem unerschlossenen, unbekannten Ge­biete der Kultsymbolik. Es war damals, daß er zum erstenmal die Giebelzeichen der friesisch­sächsischen Bauernhäuser „sah" und nun bewußt sich auf die geahnte, geistesgeschichtliche Fährte begab. Die bisherige „volkskundliche" Wissenschaft versagte aber hier. Ganz abgesehen davon, daß gerade dieses wichtigste Gebiet der Volkskunde fast noch völlig unerschlossen ist, auch die Bearbeitung des erst äußerst lückenhaft vorliegenden Denkmälermateriales geht nirgends über einzelne persönliche Mutmaßungen und Deutungsversuche, welche die sichtbar völlig ver­dunkelten, neuzeitlichen Überlieferungen ohne weiteres auf zeitlich unbegrenzt zurückreichende Epochen übertrugen, hinaus.   Und doch mußte diesen Sinnbildern irgendeine uralte Bedeutung innewohnen, mußten sie Urkunden eines ehemaligen, angestammten geistigen Gemeinschafts­gutes der Vorfahren gewesen sein. Denn die nunmehr erfolgende Bekanntschaft mit der sogenannten „vorgeschichtlichen" Fachliteratur auf dem Suchen nach den ältesten Belegen für das Auftreten jener anscheinend geweihten Zeichen, führte immer weiter zurück, dahin, wo die Quellen und die Arbeitsmethode der bisherigen „Geschichtswissenschaft" jede Mitwirkung ver­sagten und weit hinter dem Forschenden zurückblieben.

Mit schmerzlichem Staunen gewahrte der Verfasser, wie dasjenige, was wir heute „Volks­kunde" nennen, als Wissenschaft zunächst nur als Materialsammlung in Betracht käme; daß eben alle Folgerungen, alle Deutungen, Auslegungen, alle Systematisierungen hier als verfrüht und voreilig betrachtet werden müssen, da wir noch gar nicht in der Lage waren, die ursprüng­lichen Zusammenhänge zu erkennen und zu unterscheiden, was spätere Umgestaltung und Ver­dunkelung und was wirklich noch alte Überlieferung ist, was eigenes und was fremdrassiges Geistesgut darstellt. Daß aber die Materialsammlung in Zeitschriften, Büchern und Heimat­museen neben wertvollem Kleinmaterial unübersehbar viel völlig Wertloses, Gegenstandloses, Nebensächliches enthält, was mit der Frage der Volkskunde als Geistesgeschichtswissenschaft überhaupt nichts mehr zu tun hätte.

Möbel und Trachten zum Beispiel waren fleißig gesammelt, beschrieben und veröffentlicht, gesunkenes städtisches Kulturgut, mit dem der Bauer, der noch bodenständige, auf der Scholle sitzende, alte Volksfreie seit dem Mittelalter immer um ein Jahrhundert oder später hinter der Stadt her trottete. Aber ungesammelt, unerkannt und unerforscht blieb dasjenige, womit dieser bodenständige, letzte Träger einer uralten, längst unbewußt gewordenen Überlieferung in zähem, äußerem Festhalten dieses Fremdgut sich aneignete: seine Kultsymbolik, das symbolische Or­nament, die sinnbildlichen Zeichen!

So hieß es nun von Anfang an beginnen mit Hilfe des Fundmateriales der jüngsten Ge­schichtswissenschaft, der Wissenschaft vom Spaten. Zunächst einmal systematisch sammeln vom rein typologischen Standpunkt, gegenständlich und zeitlich gegliedert, bis wieder der Anschluß an die „geschichtliche" Periode erreicht war. Die örtliche Begrenzung auf die engere Heimat war damit von vornherein schon aufgegeben: denn nur eine allgemein vergleichende Unter­suchung des Abendlandes konnte Klarheit über Ursprung und Herkunft dieser Zeichen bringen. Aber auch die Beschränkung innerhalb der urgeschichtlichen Kulturen Europas mußte schließ­lich als undurchführbar aufgegeben werden. Es stellte sich heraus, daß die Frage des Ur­sprunges und Entstehens dieser Zeichen, ihrer Zuweisung an bestimmte Völker als Urheber, unzertrennlich von der Frage der sogenannten „ethnographischen Parallelen" war. Wie ist das Vorkommen derselben Zeichen in außerabendländischen, räumlich und zeitlich weit getrennten Kulturen zu erklären? Handelt es sich um zufällige, formale Übereinstimmung einer rein mechanischen Entstehung, einer „primitiven" Spielerei? Oder liegen nachweisbare Zusammen­hänge vor? Wenn ja, welche sind diese? Aufweiche kulturelle und ethnologische Verbindungen sind dieselben zurückzuführen, wie kamen sie zustande und wann sind sie zeitlich anzusetzen ?

So nahm die Untersuchung mit zwangläufiger Folgerichtigkeit immer größeren Umfang an. Der einzige Weg, um zu festen Anhalts- und Ausgangspunkten zu gelangen, war die Be­obachtung der gesamten „Biozönose", der geistigen, kultischen Lebensgemeinschaft dieser Zeichen, ihrer Begleitumstände, ihrer sichtbaren Beziehungen zur jeweiligen Umwelt. Besonders aber galt es die sprachlichen Beziehungen, die Lautwerte, die Namen und Bedeutungen zu ermitteln, da aus ihrer vergleichenden Gegenüberstellung sich mit Sicherheit eventuelle Über­einstimmung und Zusammengehörigkeit ergeben würde.    Hier hieß es nun auch die ältesten Schriftsysteme des Mittelmeeres und seines Hinterlandes, das Altägyptische und Altsumerische heranzuziehen, weil sie die einzigen sind, deren fautliche Werte und Bedeutungen uns, wenn auch nicht vollständig, überliefert sind. Diese vergleichende Untersuchung verdichtete sich in ihrem Ergebnis immer mehr zu einem völlig überraschenden Hinweis auf einen gemeinsamen, steinzeitlichen, westlichen, atlantisch-europäischen Ursprung. Die anschließende Untersuchung west- und nordwestafrikanischer Schriftsysteme und Symbole, ihrer ermittelbaren Lautwerte und Bedeutungen, bestätigen diese gefundene Spur nachdrücklich.

Noch auffälliger wurde aber der Zusammenhang, als die nordamerikanischen „Parallelen" auf Grund der vorliegenden Ergebnisse nun unter die Lupe genommen wurden und die betreffenden Symbole und Zeichen in Zusammenhang mit den kultischen Überlieferungen und weiter auf ihre lautlichen Beziehungen hin in den Sprachen der Völker Nordamerikas (Indianer und Eskimo) verfolgt wurden. Da schloß sich ein großer Kulturkreis um das nordatlantische Becken, als dessen älteste Beurkundung nunmehr die Schriftdenkmäler der älteren Steinzeit des atlantischen Südwesteuropa sich heraus kristallisierten, deren erste, gesicherte Entzifferung (Schriftdenkmäler von Gourdan, La Madeleine, Mas d'Azil) dem Verfasser so auch ermöglicht wurde.

Und weiter ergab sich — wie es lebensgesetzlich zu erwarten war — daß die Überlieferung der Völker nordischer Rasse Nord- und Nordwesteuropas eine Kontinuität aufwies, von der wir uns bisher keine Vorstellung hatten machen können.

Wie von einem großen zerschlagenen und durch die ganze Welt zerstreuten Mosaikbild fügte sich nun Stein um Stein wieder zusammen. Die Heranziehung der polynesischen Sprachen und Mythologien sowie der archaisch-chinesischen Schrift vervollständigte die Einzelheiten und bestätigte restlös das bisher Errungene. Der Forschungsweg und sein einstweiliges Ergebnis dürfte im großen ganzen als gesichert angesehen werden.

So erwuchs allmählich, ohne daß der Verfasser wissen konnte, wohin der Weg ihn führen würde, das ungeahnte Bild einer uralten, altsteinzeitlichen Atlantikerkultur, deren Ursprung ebenfalls mit Sicherheit auf das heutige Arktisgebiet zurückgeführt werden konnte. Was aber zum gewaltigsten Erlebnis dieser mühseligsten Kleinforschung wurde, war der immer mehr sich verdichtende Nachweis einer rein monotheistischen Urreligion, die „Weltanschauung" einer Rasse, der die ewige Wiederkehr im kosmischen Wandel, das Werden und Vergehen als das große, sittliche Gesetz des Weltalls, als die Offenbarung Gottes des Weltgeistes durch seinen Sohn in Zeit und Raum galt.

Diese Offenbarung Gottes des Weltgeistes durch seinen Sohn in Zeit und Raum ist das „Jahr Gottes", die „Drehung", das „Recht". Auf diesem Gesetz des ewigen Wandels, des ewigen Wiederkehrens, des Entstehens, Vergehens und Wiedergeborenwerdens, beruht die sittliche Weltordnung. Der „Gottessohn" trägt das Himmelslicht, das „Licht der Lande": die Sonne ist nicht er selbst, sondern nur seine substantielle Offenbarung als Licht, Feuer, Wärme, als Leben erweckendes Prinzip.

Wenn wir zum Beispiele bei den Überlieferungen der nördlichen Indianer Südamerikas eine Verdunkelung dieser alten atlantischen Glaubensüberlieferungen finden, in der Gott-Vater und der Sohn verschmelzen und mit der Sonne sogar vereinigt sind als „unser Vater", so finden wir in Nordamerika in den Überlieferungen der Pueblo-Indianer, welche uns wertvollstes, uraltes Denkmälermaterial auf dem Gebiete der Kultsymbolik und ihrer Lautwerte beisteuern werden, noch klar die Trennung zwischen Gott-Vater, dem Weltgeiste, der von Anfang an da war unpersön­lich, ungeschlechtlich ist, und dem ursprünglichen „Gottessohne", der das Licht der Lande trägt.

So sah die Rasse, welche die Urheberin jenes kosmischen Gottesbewußtseins war, sich selber,

wie alles Geschaffene, als organischen Teil dieses Weltalls. Von diesem Sich-Eins-Wissen mit der Weltordnung Gottes zeugt der von ihr entwickelte Wiedergeburtsglaube mit seiner erhabenen, kosmischen „Grabhaus"- oder „Mutterhaus"symbolik, deren Zeichen, Namen und Laute sich überall in der Welt als Glaubensbekenntnis nachweisen lassen, wohin ihre Träger als Wanderer der Weltenmeere auch gelangten. So gewiß wie der Gottessohn in seinem Jahres­lauf stirbt und wieder aufersteht, so gewiß stirbt alles Leben mit ihm in seinem „Jahre" und steht wieder auf. So auch der Mensch in seinem Jahreslauf, der sein „Leben" heißt, um durch Gottes Licht und Atem wieder auferweckt, in seinen Nachfahren wiedergeboren zu werden.

Zu tiefster Verinnerlichung ausgestaltet ist in diesem Gottschauen im Weltall die Lehre von der Allmutter Erde, in deren Schoß „in den Wässern", in das „Haus der Tiefe", der „Kraft", der „Weisheit" der Gottessohn alljährlich auf seinem winterlich-nächtlichen Lauf eingeht, um in der Wintersonnenwende aus dem „Mutterhaus" wiedergeboren zu werden und zu neuem Leben aufzuerstehen. Und wie er, der Gottessohn, der „Mensch", so mit ihm die „Menschen­kinder", die seinen Namen tragen und nach seinem Bilde geschaffen sind.

Erst im Laufe der Jahrtausende, nach Untergang der atlantischen Urheimat, des großen Kultzentrums, lockert sich der kultische Zusammenhang zwischen den atlantisch-nordischen Kolonistenvölkern des europäischen Festlandes. Und mit dieser Loslösung von der ehemaligen, gemeinsamen, kultischen Grundlage setzt die allmähliche Verdunkelung des alten Volksglaubens ein. Die immer weiter sich ausdehnende Völkerwanderung und die unvermeidliche Mischung mit den überschichteten, fremdrassigen Völkern in der neu erworbenen Heimat, ließen den Prozeß der Zersetzung der alten Überlieferung unaufhaltsam fortschreiten.

Aus den animistischen Vorstellungen jener geistig tiefer stehenden Unterschichten der Ur-bewohner drang deren Dämonen- und Geisterglaube, die Vorstellung vermenschlichter Natur­mächte-Göttergestalten in die uralte Religion der atlantisch-nordischen Herren- und Kultur-bringerschicht empor. Die einzelnen Phasen des Lebenslaufes des Gottessohnes als seine einzel­nen Offenbarungsformen lösten sich in besondere Jahreszeit- und Elementgottheitgestalten auf, welche sich abspalteten und selbständig machten. Dies ist die Geburt der „Götter", deren ursprüng­liches Wesen als Gleichnis, als Einzeloffenbarung des Gottessohnes im „Jahr Gottes", sich aber in allen ältesten Schichten der betreffenden, atlantischen Tochterkulturen restlos nachweisen läßt.

In diesem Zeitabschnitt setzen nun als Gegenströmung die Reformbewegungen der atlantisch-nor­dischen Geisteserbmasse ein, welche zunächst die alte Volksreligion aus ihrer Entartung und Zer-setzungwieder emporzuheben versuchen, wieesZarathustra in der Ahura-Mazda-Religion anstrebte. Er­wies sich dieses Streben als vergeblich, so gab die atlantisch-nordischeGeisteserbmasse die alte Volks­religion immer mehr preis und versuchte eine Erneuerung ihres Wesens in der Abstraktion der Idee.

Diesem Abschnitt gehören die sämtlichen Religions- und Philosophiesysteme der Völker atlantisch-nordischer Rasse bis zur Gegenwart an, sowohl die arisch-indischen vom Brahmanismus über die Sänkhya-Philosophie bis zum Buddhismus, die griechische Philosophie, die Glaubens­reform des Galiläers, aus der das römische Christentum entstand, die abendländische nordische Reformation des 16. Jahrhunderts und die Entwicklung der abendländischen Erkenntnislehre bis zur Naturphilosophie der Gegenwart.

Das Gesamtbild der menschlichen Geistesgeschichte zeigte sich bisher als eine Folge von willkürlichen Einzelheiten und Zufälligkeiten, deren Unterscheidung nur die zeitliche und örtliche Abgrenzung war. Wir arbeiteten zum Beispiel mit Begriffen wie „die ägyptische" und „die babylonische Kultur". Sie galten als „die ältesten Kulturen". Es wurde von „den Ägyptern" und „den Babyloniern" gesprochen, als ob es sich um einen rassisch und geistig einheitlichen Organismus handelte. Erst die Anthropologie hat die rassische Ungleichheit und zum Teile Gegensätzlichkeit dieser Staats- und Volksbildungen klargestellt: die weitere Aufgabe wäre nun ihre Zusammensetzung und Gliederung auf die rassischen Bestandteile, deren Schichtungen und Mischungen im Verhältnis zu den Kulturbestandteilen zu prüfen. Aber gerade die wesent­lichsten und wichtigsten Geistesurkunden, die altsumerische Linearschrift und die vor- und früh­dynastische, ägyptische Linearschrift, welche die Lösung der ethnologischen Fragen hätten bringen müssen, blieben unberücksichtigt.

Nur die mangelhafte Kenntnis der urgeschichtlichen Schriftdenkmäler des Abendlandes und die völlige Verkennung ihres Wesens ist die Ursache, daß durch die klassische und orien­talische Philologie jene vom biologischen Standpunkt so ungeheuerliche Auffassung von der Schriftlosigkeit der Völker nordischer Rasse — der Germanen, Italiker, Griechen und Inder — entstehen und sich Geltung verschaffen konnte. Jene beiden letzten Völker, in deren Philosophie der menschliche Geist einen Höhenflug nahm, den wir vergeblich in der Blütezeit ägyptischer und babylonischer Kultur suchen, jene Völker wären also nicht fähig gewesen, eine Schrift, eine Fixierung ihres Geisteslebens, zu schaffen? Wie soll man sich dies nur denken? War ihre Kulturhöhe ursprünglich vielleicht auch etwa „nicht vereinbar mit dem Bestehen einer Buch­stabenschrift" ? Wo finden wir aber in der ägyptischen, geschweige in der babylonischen Kultur solche Geisteshöhe wie in den urältesten Überlieferungen des Rig-Veda? Oder — standen sie etwa zu hoch dazu? Wäre die „Erfindung" der Schrift, an die die altphilolo­gische Schule glaubte, etwa das Werk nüchterner, wenig metaphysisch veranlagter Völker oder Rassen?

Nach bisheriger Auffassung soll die altindische Schrift entweder aus der „nordsemitischen", phönizischen oder der „südsemitischen" entlehnt sein. Allein alle Versuche, sie auf diesem Wege abzuleiten, zeigen die gleichen Lücken und Widersprüche, wie die Versuche zur Ableitung der nordischen Runenreihe aus den griechischen oder römischen Schriftsystemen. Für die Entlehnung der mittelmeerländisch-europäischen Schriftsysteme (griechische, italische, iberische usw. Alphabete) galt nach altphilologischer Geschichtsauffassung das „Nordsemitische", die Schrift der sogenannten „Phöniker", eines jungen, rassisch völlig gemischten Kaufmanns­völkchens, als die Quelle. Bisher ist es aber nie gelungen, einen restlos befriedigenden Nach­weis der behaupteten Entlehnung zu führen. Und alle jene Zeichen, welche nicht in das System passen wollten, wurden darum auch der „eigenen Erfindung" dieser Völker oder irgend­eines Mannes zugeschrieben.

Wie unsere Untersuchung nun zeigen wird, gibt es überhaupt keine „semitischen" Schrift­systeme und ist am allerwenigsten das PhÖnikische als solches zu betrachten, da es ein sehr spätes, völlig zurückgebildetes atlantisches Alphabet darstellt. Auch kann von einer ^firfindung' dieser Schriftsysteme nirgends die Rede sein, sondern es handelt sich um uraltes, kultisches, im Laufe der Jahrtausende gewordenes Geistesgut. Was in dem jüngsten Abschnitt, in dem sogenannten „geschichtlichen" Zeitalter, als das Wissen um den Ursprung und die Bedeutung dieser Zeichen sich in der Überlieferung längst verdunkelt hatte, noch aus schrifttechnischen Nutzzwecken ergänzt wurde, „erfunden" wurde, ist so unerheblich und geringfügig, daß es für das Problem der Geschichte und Urgeschichte der Schrift völlig außerhalb der Betrachtung gelassen werden kann und muß.

Lebensgesetzlich  oder gottesgesetzlich ist es unmöglich, daß nach ihren körperlichen Merk-malen rassisch so hochgezüchtete Völker wie Griechen, Italiker und Germanen nicht eine entsprechende Geisteskultur besessen hätten und etwa in einem Zustand „kontinuierter Primi­tivität" bis zur Berührung mit der orientalisch-mediterranen Kultur verharrt hätten. Wir werden dann auch an Hand der erschlossenen, steinzeitlichen Schrift- und Kultsymboldenkmäler des atlantischen Abendlandes erfahren, daß der Gang der Kulturentwicklung ein umgekehrter ge­wesen ist, von Norden und Westen nach dem Osten, und daß nur unser mangelhaftes Wissen um jene älteren Urkunden die Ursache der bisherigen, gegensätzlichen Annahme war.

Wir werden auch erfahren, daß der Begriff „primitive Kultur*' eine ebenso unhaltbare Arbeitshypothese darstellt Denn in allen Kulturen sogenannter „primitiver Völker" oder „Naturvölker" können wir die Ablagerungen einer uralten, fremden Höhenkultur ermitteln, deren ehemalige Träger im Volksrassenbilde längst verschwunden und in der Überlieferung ver­schollen sind, deren Spuren sich aber in den sinnbildlichen Zeichen, ihren Lautwerten, ihren noch so verdunkelten kultischen Bedeutungen mit Sicherheit nachweisen lassen.

Dies gilt sowohl für Nord- wie Südamerika, für Nord- und Ostasien wie Westafrika und Ozeanien. Ausgenommen vielleicht gewisse Pygmäenstämme Innerafrikas und Innerguineas, wird man keine „primitiven Kulturen" mehr ausfindig machen können. Überall in den Kulturen der sogenannten „Naturvölker" werden wir die Ablagerungen jener versunkenen, atlantisch- beziehungsweise arktisch­nordischen Höhenkultur feststellen können, deren lebender, geistiger Inhalt längst entschwunden ist, sich aber in gewissen äußeren, erstarrten Formen erhalten hat. Nicht um „primitive Urkulturen" handelt es sich bei jenen „Naturvölkern", sondern um Kulturen, welche sich wieder auf dem Wege der Rückbildung zur Primitivität befanden, als die europäische Zivilisation, im Gefolge der „Welt­wirtschaft", diesen Rückbildungsprozeß endgültig unterbrach.

Für unsere Untersuchung sind jene Völker von größter Bedeutung. Waren sie selber auch keine Schaffende von Kulturwerten, waren sie geistig auch nicht befähigt das einst Empfangene auf der gleichen Höhe zu erhalten, in der rein formalen Bewahrung jener erstarrten Geistes­bruchstücke der fremden Herren- und Kulturbringerschicht leisteten sie als „Konservenbüchsen"-Völker unersetzliche Dienste. Überall in jenen angeblich „primitiven Kulturen" können wir die Belege und Bestätigungen finden für die Wiederherstellung des zerstörten und scheinbar auf immer verlorenen, großen Mosaikbildes der urgeschichtlichen Geistesgeschichte.

So enthüllt sich für unser Auge die menschliche Geistesgeschichte aus weit fernerer Vergangen­heit, da, wo sie nun für uns greifbar, erkennbar wird, nach jenem Gesetz der Vererbung, welche das große, göttliche Lebensgesetz aller irdischen Entwicklung umfaßt. Und statt jener willkürlichen Anhäufung von entwicklungsgeschichtlich unerklärten und unbegreiflichen Zufälligkeiten, welche den bisherigen Inhalt unserer „Geschichte des Altertums" darstellten, erhalten wir das gleiche Entwicklungsbild wie das der Erde. Die Geschichte der menschlichen Kultur ist eine anthro­pologische Chemie und Geologie, eine rassengeschichtliche Scheidekunde und Schichtenlehre mit dem Endblick auf das unergründliche, unerforschliche Ewigkeitsgesetz alles kosmischen Wandeins, das nach dem Urglauben unserer Ahnen in Gott dem Weltgeist beruhe. Das Erwachen der nordischen Rasse. Wenn ich hier wiederholt von der geistigen Erbmasse sprach, so bezieht sich dies auf das Forschungsergebnis, daß es die Rasse ist, welche den Unterschied der menschlichen Weltanschauung bedingt. Und weiter — daß es die nordische Rasse war, sei es als arktisch-nordische oder atlantisch-nordische Rasse, welche die Urheberin der abendländischen Kultur gewesen ist und darüber hinaus in der Rassenmischung und in den aus ihr entstehenden Mischkulturen als geistiger Sauerteig eine weltgeschichtliche Sendung erfüllt hat.

Die Anthropologie, die Lehre von der Köiperfopn des Menschen, zeigt uns, daß die nor­dische Rasse das Bindeglied in den rassisch gemischten europäischen Völkern ist. Die hier zum ersten Male zur wissenschaftlichen Methode entwickelte, urgeschichtliche Geistesgeschichts­wissenschaft lehrt uns, daß die Gesamtkulturen und Religionen des Abendlandes auf diesem gemeinsamen Rassenbestandteil aufgebaut sind.

Durch die neuzeitliche blutserologische Forschung, welche es uns ermöglicht, die Blutgruppe als Ursubstanz der primären Rassen zu verfolgen, erfahren wir weiter, daß diese urnordische Rasse das Bindeglied der Menschheit ist. Auf den Weltwanderspuren des auf geistesgeschicht­lichem Wege erschlossenen urnordischen Lichtgottesglaubens, jenes universalen, kosmischen Gotteserlebens, das sich in dem sittlichen Bewußtsein des Einzelnen selber äußert, werden wir auch überall wieder die alten Spuren der urnordischen Blutgruppe wiederfinden.

Wenn dem wirklich so ist., müßte aber eine Wiederbewußtwerdung der nordischen Rasse zu einer Erneuerung des Abendlandes führen, zu einer Erlösung von der sonst unaufhaltsam über uns kommenden, völligen Mechanisierung und Materialisierung, von dem Mammonismus und seinem Kult des Augenblickes, welcher „Weltwirtschaft" heißt. Aus der erneuten Heiligung der Gotteserde wird dem heutigen Recht- und Heimatlosen eine neue Verinnerlichung, eine neue Versenkung entstehen, aus der noch einmal nach Beendung dieser unserer schweren Irr­und Prüfungszeit unser neues Gotteserleben, unsere neue Weltanschauung, unsere neue Volks­gemeinschaft hervorgehen wird.

Überall, wo das Blut der nordischen Rasse mehr oder weniger sichtbar in der äußeren, der körperlichen Erscheinungsform, in den scheinbar Reinerbigen wie in den Mischerbigen vor­handen ist, da muß auch die Möglichkeit bestehen und der Augenblick kommen können, daß die Geisteserbmasse erwacht. Und aus diesem Erwachen der Geisteserbmasse, welche bei den Mischerbigen ebenso stark und oft mit noch stärkerem Sehnen sich äußern kann als bei den scheinbar Reinerbigen, wird uns auch die Wiedergeburt der nordischen Rasse kommen. Denn es wird die ihrer selbst nunmehr bewußt gewordene Geisteserbmasse sein, welche in der Ver­erbung die eigene, körperliche Form, auch aus der Unterordnung unter die anderen Bestand­teile, immer mehr wird hervortreten und neu erstehen lassen.

Das Erwachen der nordischen Rasse in der Welt birgt in sich die einzige Möglichkeit der Erlösung der Menschheit vom Alberich-Fluch der Herrschaft des Geldes, dem alles jetzt anheim zu fallen droht, mit Vernichtung des letzten Bewußtseins für die höheren Werte.

Auf Grund des nun erlangbaren Wissens um unsere geistige Erbmasse erscheint der rassische Gedanke, das Erwachen der nordischen Rasse, als eine Verheißung, ein hoffnungsvoller Aus­blick in der geistigen Sichtweite unserer von scheinbar unüberbrückbaren inneren und äußeren Gegensätzen zerrissenen Völker.

Möge dieses Werk den Weg zu dieser Ferne mitbahnen helfen, ein Wegführer werden zu jener Selbsterkenntnis, welche uns befreit von unserer Augenblicksbefangenheit und uns wieder fähig macht, unser Dasein in dem unlöslichen Zusammenhang von Vergangenheit und Zukunft, im Lichte unserer höheren Aufgabe, unserer Ewigkeitswerte zu betrachten.

Möge dieses Werk ein Weckruf an die Kommenden, das neue Geschlecht, die Jugend der Völker atlantisch-nordischer Rasse werden. Es geht nicht mehr um unser einzelnes Volksschicksal, wie auch der Verfasser für sich im Laufe seiner Forschung erkennen mußte, für ihn auch nicht mehr allein um Flandern, Niederland, Friesland und Deutschland, sondern um das Los unserer Rasse !

Wir stehen  vor unserer  Schicksalsstunde, in  der sich  entscheidet, ob wir in  sinnlosem,gegenseitigem Zerstören und eigenem, innerem Zerfleischen unser heiligstes Vermächtnis end­gültig verlieren und selber an Seele und Leib langsam zugrunde gehen wollen oder — ob wir nach eigener, innerer Befreiung und Wiedergeburt wie einstens als die Träger des Lichtes Gottes und des Rechtes über die Erde gehen werden, um sie von jenen Fesseln der Gewalt, des Unrechtes, der materiellen Versklavung zu erlösen, in die wir sie in jenen Zeiten unseres inneren Niederganges aber unserer technischen Höherentwicklung selber geschlagen haben, ohne zu ahnen, daß wir unsere künftigen eigenen Ketten schufen.

An diesem Scheidewege unseres Völkergeschickes steht an erster Stelle die „Neue Welt". Es gibt eine eigne Fügung, einen Kreislauf in der Weltgeschichte. Einst führte der Weg unserer Völkerwanderung uns an Nordamerika vorüber, lange bevor wir den Boden Europas betraten und dieser Erdteil nunmehr unsere Heimat und dann die „Alte Welt" wurde. Auf dem gleichen, uralten Weg unserer Völkerwanderung sollten wir wieder zurückkehren, um in der „Neuen Welt" das mächtigste Staatengebilde zu gründen, das heute besteht.

Aus der bisher scheinbar geschichtslosen Volkskunde der Urbewohner jener „Neuen" und eigentlich doch so „Alten Welt" erreicht uns nun plötzlich eine letzte Kunde, ein letztes Zeug­nis des geistigen Vermächtnisses, das sie von unseren eigenen Ahnen empfingen.

Möge diese Stimme der Vergangenheit drüben verstanden werden. Seit Jahrhunderten hat sich in jener „Neuen Welt" wieder wertvollstes Volkstum nordischer Rasse gesammelt. Möge das kommende Geschlecht Nordamerikas, seine erwachende Jugend, aus sich die Erkenntnis ihrer Erbmasse gewinnen, um seine Volkskraft aus der irrsinnigen Mechanisierung, seiner Ver-großstädterung, aus der völligen Verstofflichung des Augenblicksdaseins zu befreien, um sie ihrer höheren Aufgabe wieder zuzuführen.

Entweder sie bricht den Mammonstempel, an dem jetzt ihre Volkskraft zur weiteren Versklavung der Welt mitbaut, wieder nieder, oder die kommende wissende Jugend nordischer Rasse, der „großen Rasse" in der „Alten Welt", wird sich allein von dieser „Weltwirtschaft" los machen und den Weg zur Freiheit der Armut, zur Scholle, zur wieder geheiligten Erde Gottes, zur Heimat wiederfinden.

* Bevor ich nun zu   meiner Darlegung übergehe, möchte  ich an dieser Stelle meinem  Ver­leger, Dr. Eugen Diederichs,  danken, der mir in Deutschlands wirtschaftlich schwerster Zeit die Fortführung und einstweilige Abschließung meiner Studien- und Aufnahmereisen ermöglichte, was trotz eigener Opfer sonst niemals hätte verwirklicht werden können.

Sodann möchte ich auch den Museums vorständen in Deutschland, Niederland, Dänemark, Schweden und Spanien, welche durch Bewilligung meiner photographischen Aufnahmen oder durch Überlassung eigener Aufnahmen diese Arbeit gefördert haben, hier nochmals danken. Ein besonderer Gruß und Dank geht als Abschluß an die jungen und alten Freunde in der Heimat und vor allem in Friesland, dessen stolze Giebelzeichen mir ein Meilenstein auf dem geistigen Weg zu dem Erbe unserer Ahnen waren. Die Fahrten durch das friesische Land mit dem sich erhellenden Blick in die Vergangenheit sind mir ein unvergeßliches Erlebnis, ein Er­kennen und ein Wahrzeichen für die Zukunft gewesen und geblieben.

Als einst das Geschick über Alt-Ingväonien hereinbrach, als die Sturmfluten die ehemalige, hohe Blüte der Nordseelande vernichtete, Polsete - (Forsete-)Land in den Wellen versank, da mußten die schwer geprüften Überlebenden den heimatlichen Boden in härtesten, mühseligsten Kämpfen dem furchtbaren und doch so vertrauten Meere wieder abringen. Kümmerlich und armselig, nicht lebenswert erschien dieses Dasein dem längst der herben Einfachheit der nordischen Ahnen entfremdeten und verwöhnten südländischen Städter, dem Römer Plinius. Un­begreiflich blieb es ihm, daß „solche Völker von Knechtschaft reden", wenn ihnen etwa die „Segnungen" der römischen Herrschaft und seiner Großstadtkultur zuteil werden sollten.1 Un­begreiflich blieb es auch noch Jahrhunderte später dem mediterranen Großstädter, daß diese nordischen Barbaren die römischen Städte scheuten, „als wären sie mit Netzen umspannte Gräber".2 Heute weiß ich, daß wir Nordischen nur Gottesfreie sein können, oder wir müssen an Seele und Leib verderben und zugrunde gehen.

Und so ist es für uns auch richtig, wie es mir noch auf der letzten Nordfrieslandfahrt in dem alten Friesen Wahlspruch entgegenklang:

„Liewer düd as Slav!"

MARBURG an der Lahn                                                                                   

HERMAN WIRTH

1 Naturalis historia XVI, 2—4.   Bericht über die Halligen-Bewohner, die Chauken.   2 Ammianus Marcellinus, Res Gestae XVI, 2. Bericht über den Kampf Julians mit den Alamannen.

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