Trojaburg
 
 

Bruno Schweizer

Bruno Schweizer

Bruno Schweizer, geboren 3. Mai 1897 in Dießen am Ammersee, war ursprünglich Sprachforscher. Nach dem Studium der Philologie in München und Freiburg, diente er im 1. Weltkrieg als Unteroffizier. Nach Kriegsende setzte er sein Studium an der Universität Innsbruck fort. Hier wurde er durch den Mundartforscher Josef Schatz zu eingehenderen Studien alter deutscher Dialekte animiert. 1924 gründete Schweizer die Heimatvereinigung Ammersee, bevor er 1925 in Freiburg über „Dialekte des Lech-Isar-Landes“promovierte. 1928 wurde der nunmehr promovierte Philologe von Ferdinand Wrede berufen, am Sprachatlas des Deutschen Reichs an der Universität Marburg mitzuwirken. 1931 zog Schweizer von Marburg nach München, wo er 1933 Assistent am Institut zur Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten bei der Universität München wurde. Nachdem er aufgrund des Einflusses von Fritz Valjavec 1935 ausschied, kam es in der Folgezeit zur Annäherung an Himmlers expandierendes Ahnenerbe. Im November 1937 wurde Schweizer schließlich offizieller Mitarbeiter des Ahnenerbe und übernahm die Pflegestätte für Germanenkunde von Teudt. In den folgenden Jahren konzentrierte sich Schweizer auf die Island-Forschung und führte mehrere Reisen auf die nordische Insel durch.
Eine vorbereitete offizielle Island-Expedition des Ahnenerbe unter Leitung Schweizers scheiterte jedoch an Indiskretionen - europäische Presseberichte wußten von einer Himmler-Expedition auf der Suche nach den deutschen Vorfahren zu berichten, zudem plante auch Himmler-Konkurrent Rosenberg eine eigene Expedition, zu der es freilich ebenfalls nicht kam. Vor allem Schweizer selbst sorgte beim Ahnenerbe-Geschftsführer Wolfram Sievers für Unmut, hatte er dich dem deutschen Botschafter auf Island von seinen Plänen berichtet. Sievers reagierte darauf in einem Brief: „Der Umfang Ihrer Weltfremdheit übertrifft alles normale Maß, das man schließlich einem Wissenschaftler zubilligen kann.“
Dennoch vermochte Schweizer seine Arbeit für das Ahnenerbe auch mit Kriegsausbruch aufrecht erhalten. So wurde er innerhalb des großen Ahnenerbe-Aufgabengebietes der Umsiedlung der Südtiroler ins Reich eingebunden, indem er an der Archivierung Tiroler Kulturgutes beteiligt war.
Eine Studienfahrt nach Oberitalien zu den Sprachinseln der Zimbern führte zur Herausgabe der Grammatik der zimbrischen Sprache. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er 1948 im Jahrbuch für vergleichende Volkskunde eine Abhandlung über „Die Herkunft der Zimbern“, worin die „Langobardentheorie des Zimbrischen“ aufgestellt wurde. Er bezeichnete die Zimbern als letzte Reste der langobardischen Nation und sah die Langobarden als die großen Vermittler zwischen dem Geisteshort des Altertums, der auf steril gewordenem Boden lag, und der folgenden, auch innerlich germanenbestimmten Zeit.
Auffällig am Werdegang des am 11. November 1958 verstorbenen Schweizers ist vor allem, daß er trotz Einschränkung seiner Forschungen auf die Sprachwissenschaft die Pflegestätte für Germanenkunde übernahm. Die mangelnde Eignung des neuen Leiters der Germanen-Pflegestätte offenbarte sich in der Folgezeit am Bedeutungsverlust der vom charismatischen Teudt übernommenen Abteilung.  

Bibliographischer Auszug:
- Die Geschichte der Kleinzinngießerei in Diessen am Ammersee. 1929
- Zimbrische Sprachreste. Nach dem Volksmunde aufgenommen und mit hochdeutscher Übersetzung herausgegeben. (Schriftenreihe des „Ahnenerbe“) 1939
- Zimbrische Gesamtgrammatik. Vergleichende Darstellung der zimbrischen Dialekte. Aus dem Nachlaß 2008
- Die Herkunft der Zimbern. In: Jahrbuch für vergleichende Volkskunde «Die Nachbarn» I. Band. 1948
- Volkssagen aus dem Ammersee Gebiet. 1950
- Die Flurnamen des südwestlichen Ammerseegebietes. 1957

[Aus: Indogermanisches Erbe & 3. Reich]

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