Trojaburg
 
 

Herbert Jankuhn

Herbert Jankuhn

Durch die Anwerbung des Forschers Herbert Jankuhn gelang Himmler erstmals die Einbindung eines renommierten Forschers auf dem Gebiet der Germanen- und Wikingerforschung, die bislang weitgehend durch Laienforscher bearbeitet worden war. Neben Walther Wüst, Franz Altheim und Ernst Schäfer, war der am 8. August in Angerburg / Ostpreußen geborene Jankuhn fortan wichtiges Aushängeschild der Organisation Ahnenerbe.
Jankuhn hatte ein breitgefächertes Studium der Geschichte, Vorgeschichte, Germanistik, Philosophie und Leibesübungen in Königsberg, Jena und Berlin absolviert und wurde vor allem durch die Lehrer Max Ebert und Carl Schuchhardt beeinflußt. Seine ersten archäologischen Sporen verdiente er sich nach Promotion über Gürtelgarnituren der älteren römischen Kaiserzeit in Berlin 1931, unter Wilhelm Unverzagt und Carl Schuchhardt, die ihn an das Kieler Museum vaterländischer Altertümer empfahlen. Hier erlangte er die Grabungsleitung an der Wikingersiedlung in Haithabu, die fortan untrennbar mit seinem Namen verbunden sein sollte. Nach nur einem Jahr Tätigkeit in Norddeutschland trat der Kieler Forscher ein Stipendiat des Archäologischen Instiutes an, das ihn auf den Balkan und nach Ägypten führte, wo er an Grabungen teilnahm. Nach Abschluß kehrte er 1934 nach Kiel zurück und übernahm erneut die Haithabu-Grabungen. Im selben Jahr wurde er Mitglied in der Sektion „Fachgruppe Vorgeschichte“ im „Kampfbund für deutsche Kultur“, die kurz darauf in den „Reichsbund für Deutsche Vorgeschichte“ überführt wurde. Seit 1935 kam es zu Zerwürfnissen mit dem Reichsbund-Leiter Hans Reinerth und dem Kieler Sektionsleiter Peter Paulsen, die Zweifel an Jankuhns nationalsozialistischer Gesinnung äußerten. Da die Haithabu-Grabung seit 1934 unter Schirmherrschaft Himmlers stand, ergab sich die Möglichkeit einer Annäherung Jankuhns an Himmlers Ahnenerbe. Für den Kieler Prähistoriker bedeutete die künftige Zusammenarbeit Schutz vor den Nachstellungen durch Reinerth, während Himmler durch Jankuhn eine weitere Aufwertung des Ahnenerbe-Renomms erzielen konnte. Mittlerweile war der seit 1935 promovierte (Die Wehranlagen der Wikingerzeit zwischen Schlei und Treene) Forscher als Dozent der Uni Kiel und Herausgeber des angesehenen Fachzeitschrift Offa ein anerkannter Experte der Wikingerforschung.         
Nach seinem Eintritt in das Ahnenerbe 1937 wurde er stellvertretender Leiter der Ahnenerbe-Abteilung „Ausgrabungen“ und übernahm diese schließlich 1940 von Hans Schleif.
Im Rahmen dieser Funktion leitete er 1940 die Untersuchung des Teppichs von Bayeux in Frankreich und erhielt 1941 den Auftrag der Bildung des „SS-Sonderkommandos Jankuhn“ - dieses sollte sich im Gefolge der deutschen Truppen um Sicherstellung archäologischer Funde in Rußland bemühen.
So gelangte Jankuhn mit den Assistenten Dr. Karl Kersten und Wolf von Seefeld im Gefolge der 5. SS-PzDivison Wiking nach Maikop, Eski-Kermen, Tepe-Kermen und Katschi-Kalion, um ostgotische Siedlungen archäologisch zu erkunden. Zwar blieb die Suche nach ostgotischen Artefakten weitgehend erfolglos, dennoch gelang die Bergung zahlreicher Funde ostgermanischer und skythischer Provenienz - trotzdem viele Artefakte zuvor von den Sowjets teils evakuiert und versteckt, teils von marodierenden Rotarmisten geplündert worden waren.
Trotz   des  ihm vorgeworfenen Tatbestandes des „systematisch betriebenen Raubes von Kunst- und Kulturgütern“, kommen die so urteilenden Autoren nicht umhin einzuräumen, daß insbesondere die musealen Sammlungen von Plünderungen und Zerstörungen bedroht waren, so daß Jankuhn und andere hier reinen Gewissens eine Sicherstellung zum Schutz in Anspruch nehmen konnten. Bemerkenswert ist jedenfalls Jankuhns persönliche Einschätzung der Ostvölker, mit der er innerhalb des Ahnenerbes und der SS ingesamt eine Vorreiterrolle einnahm:
„Wenn wir in Zukunft in stärkerem Maße die geistige Führung in Europa ausüben wollen, ... müssen [wir] in viel stärkerem Maße als das bisher geschah die indogermanischen Wurzeln betonen, die uns mit den meisten europäischen Völkern gemeinsam sind. Wir müssen weiterhin nach meinem Dafürhalten betonen, daß das deutsche Volk, bei dem das germanische Element überwiegt, doch auch andere Völker in sich aufgenommen hat, und daß wir dabei keineswegs die anderen Völker als von vornherein zweitrangig betrachten.“
In der Folgezeit war Jankuhn als Dritter Generalstabsoffizier (Ic) des IV. SS-Panzerkorps unter Herbert Otto Gille aktiv an den Kriegshandlungen beteiligt, für die ihm am 9. November 1944 das Eiserne Kreuz Erster Klasse verliehen wurde.
1945 wurde der Prähistoriker verhaftet und erst 1948 entlassen. Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens gab er an, nur unter Zwang in die SS eingetreten zu sein, was im Hinblick auf seine Probleme mit Reinerth und dem Reichsbund nicht gelogen war. 1956 wurde er als außerordentlicher Professor und Direktor des Ur- und Frühgeschichtlichen Seminars an die Universität Göttingen berufen, 1959 erhielt er ein reguläres Ordinariat. 1973 wurde Jankuhn emeritiert. Am 30. April 1990 verstarb Jankuhn in Göttingen - bis in die heutige Zeit gelten seine veröffentlichten Wikinger-Forschungen, insbesondere zur Haithabu-Siedlung, zu den Standardwerken der Forschung.

Bibliographischer Auszug:
-  Gürtelgarnituren der älteren römischen Kaiserzeit im Samland. Königsberg 1932.
- Die Wehranlagen der Wikingerzeit zwischen Schlei und Treene. Neumünster 1937.
- Haithabu - eine germanische Stadt der Frühzeit. Neumünster 1937.
- Gemeinschaftsform und Herrschaftsbildung in frühgermanischer Zeit.  Neumünster 1939.
-    Die Ausgrabungen in Haithabu (1937 - 1939). Vorläufiger Grabungsbericht. Hg. „Das Ahnenerbe“
- Einführung in die Siedlungsarchäologie. Berlin 1977.

[Aus: Indogermanisches Erbe & 3. Reich]

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